Kurt Becker und die Singvögel vom Untermain

Im Jahr 1954 gründete Kurt Becker den Bürgstadter Knabenchor, der später in „Singvögel vom Untermain“ umbenannt wurde.

Kurt Becker, der 1954 gerade erst als Lehrer an die Volksschule Bürgstadt versetzt worden war, wohnte einem Gottesdienst in der alten Pfarrkirche Sankt Margareta bei und als er den Kindern beim Singen zuhörte, kam ihm die Idee, einen Chor zu gründen.

Pfarrkirche Sankt Margareta um 1950

Allzu ernst wurde er dabei laut eigenen Aussagen zu Beginn wohl nicht genommen, dennoch überließ ihm der Rektor einen Klassenraum der alten Volksschule Bürgstadt zum Proben. Die Proben fanden dienstags und freitags ab 17 Uhr statt. Singvogel konnte werden wer aus Bürgstadt, Miltenberg oder aus dem Umland bis zu 10 Kilometern kam. Die Kinder sollten musikalisch sein. Sie wurden in Gesang ausgebildet und besonders Begabte bekamen Einzelförderung.

Alte Volksschule Bürgstadt 1958

Bereits nach einem Jahr fand das erste öffentliche weihnachtliche Konzert statt.

1. Weihnachtskonzert 1954

Der Bote vom Untermain schrieb damals: „Die Knaben zeigten, dass sie dynamische Feinheiten diszipliniert und gekonnt erfassen. Es wurde frisch und freudig, jedoch lebendig weich gesungen. Die Soprane besitzen eine anerkennenswerte Reife. Die Bürgstadter Sängerknaben können sich überall hören und sehen lassen. Die wertvolle Liedauswahl spricht ebenfalls für die tüchtige Sängerschar.“ 

Und das Aschaffenburger Volksblatt schrieb im gleichen Jahr: „ Der Landkreis Miltenberg darf sich glücklich schätzen, im Bürgstadter Knabenchor eine musikalische Knabenschar zu besitzen, die von Fachleuten in einer Reihe auswärtiger Konzerte bestens bewertet wird.“

Von da an wurde der Chor eingeladen, größere und repräsentative Feierstunden musikalisch auszugestalten und auch abendfüllende Konzerte zu geben. Ebenso nahm der Chor an Wertungs- und Landesjugendsingen teil.

Bezirksjugendsingen 1956 in Schweinfurt

Das Repertoire des Chores reichte vom einfachen Volkslied über anspruchsvolle Weisen aus Oper und Konzert, Kirchenliedsätze, Werke aus klassischen Messen und Oratorien sowie Lieder der Gegenwart bis hin zum Schlager.

Auch Singspiele gehörten zum Repertoire der Singvögel.

Singspiel 1962

Die Singvögel hatten eine feste Chorkleidung. Ursprünglich trugen sie bei den Auftritten kurze Lederhosen und weiße Hemden.

Auftritt in Lederhosen
Original Lederhose aus dem Jahr 1954
1964 trugen die Singvögel bereits ein Wappen an ihren Hemden und hatten ein Halstuch mit Knoten

Später waren kurze schwarze Stoffhosen und blaue Hemden angesagt.

1987 in Stoffhosen mit blauen Hemden

Kurt Becker war sich von Anfang an darüber im Klaren gewesen, dass er mit Chorgesang alleine keine Jungenschar auf Dauer binden konnte. Und so kam ein pfadfinderischer Aspekt hinzu. Der Stamm der „Singvögel vom Untermain“ steht auf pfadfinderischen Grundsätzen.

Broschüre des Stamms der Singvögel vom Untermain

Jedes Jahr im Februar und September wurden neue Singvögel angeworben. Die Neulinge konnten sechs Wochen an den Proben teilnehmen und durften sich anschließend entscheiden, ob sie dem Chor beitreten. Sie erhielten dann ein Chorwappen, ein Halstuch und einen Halstuch-Lederknoten. Die restliche Ausstattung musste von den Eltern übernommen werden.

Aus der Satzung:

Der Knabenchor ist ein Oberchor mit vier gleichen Stimmen. demgemäß unterteilt er sich in:

Lerchen Sopran I, Finken Sopran II, Amseln Alt I, Spechte Alt II

Als Übergangsstimme ergeben sich gelegentlich die Pirole, Sänger im Baritonbereich.

Die Sänger wurden in Stimmgruppen aufgeteilt. Auf diesem Wege bilden sich Stimmgruppengemeinschaften oder Singvogelnester: Lerchennest, Finkennest, Amselnest, Spechtsnest und Pirolnest. Jedes Nest wird von einem Nestführer geleitet. Der bemüht sich um gute Nestwärme, d. h. um Ordnung und Verträglichkeit und ein Betragen, das die Chorarbeit fördert. Er trägt Meinungen, Anregungen, Erfahrungen und Vorschläge seiner Nestjungen dem Rat des Stammes vor. Die beiden Soprannester und die beiden Altnester sind jeweils zu einem Vogelzug vereint, denen je ein Zugführer mit gleichen Aufgaben vorsteht. Um eine frohe und gedeihliche Zusammenarbeit in der gesamten Singvögelgemeinschaft stehen zwei Stammführer den Zug- und Nestführern zur Seite. Die Buben wählten also ihre Führer und Leiter selbst.

Jeder Singvogel durchlief einen vierstufigen Werdegang. Ersichtlich ist das an den Ehrenzeichen an der Chor- und/oder Fahrtentracht.

Ausschnitt aus einer frühen Gemeinschaftssatzung der Singvögel vom Untermain

In einer späteren Fassung der Gemeinschaftssatzung betrug das Mindestalter des Zugführers 14 Jahre, das Mindestalter des Stammführers II 15 Jahre und das Mindestalter des Stammführers I 16 Jahre.

Stammführer, Zugführer und Nestführer bildeten unter Vorsitz des ältesten Führers den „Rat des Stammes“.

Singvögel Wappen Fahrten- Chorhemd
Grün-silberne Führerschnur (Stammführer II)

Im 5. Jahr des Bestehens der Chorgemeinschaft erhielt der Wimpel seine Weihe.

Der erste Wimpel

Bestickt wurden die Wimpel üblicherweise von den Klosterschwestern des Ordens der „Schwestern des Erlösers“, die in Bürgstadt bis zum 9. August 1992 im Schwesternhaus am Kindergarten wohnten.

Auch die Wappen der Singvögel wurden von Ordensschwestern gestickt
Rechts im Bild Schwester Irmentraud mit Bischof Paul-Werner Scheele
Singvogelwappen

Die Aufnahme der neuen Singvögel in die Gemeinschaft erfolgte nach festgelegten Ritualen.

Ernennungsformel aus einer älteren Satzung der Singvögel

Die Nestführer und Zugführer wurden ebenfalls feierlich in ihr Amt eingeführt.

Das oberste Amt hatten die Stammführer inne. Auch sie wurden feierlich in ihre Aufgabe eingeführt.

In späteren Jahren verfügten die Singvögel über eigenes gedrucktes Briefpapier

Neben dem Chorgesang betätigten sich die Singvögel auch sportlich und es wurden regelmäßig Radwanderungen und Zeltlager durchgeführt.

Einer hatte wirklich großes Pech. Arnulf berichtet:

Ich denke ich bin zur Zeit der älteste Singvogel, geboren bin ich am 12. April 1940. Meine Laufbahn bei den Singvögeln war ziemlich  kurz aber intensiv.
Zum Knabenchor (so nannten wir uns damals) kam ich auf Anweisung meines damaligen Klassenlehrers Herrn Ullrich, mit den Worten „Brand du bist ein guter Musiker (ich war damals schon als Fanfare-Bläser im ehemaligen Spielmannszug des TV Bürgstadt) und gut singen kannst du auch, deshalb gehst du heute Mittag in den Klassenraum von Fräulein Böhm, da will der Lehrer Becker einen Knabenchor gründen“. Ich wurde gar nicht gefragt ob ich möchte, das wurde einfach so bestimmt.
Bei den sogenannten ersten Stimmproben stellte Herr Becker fest, dass ich eine gute Sopranstimme besaß und so wurde ich gemeinsam mit meinem Sangesbruder Reiner zum Sopransolisten ausgebildet. Da wir zu Hause ein Klavier hatten, bekamen wir von Herrn Becker zusätzlich Gesangsunterricht. Mein erstes und letztes Solostück war „Schlafe mein Prinzchen schlaf ein“, das ich dann bei irgendeiner Veranstaltung singen durfte.
Im Sommer 1954 fuhren wir mit Herrn Becker und einigen Sängerknaben mit den Fahrrädern Richtung Heimbuchental auf Zeltplatzsuche für unser erstes gemeinsames Zeltlager. Schließlich sind wir in Eschau fündig geworden.
Da ich, wie schon erwähnt, Fanfarenbläser war, wurde ich von Herrn Becker sogleich dazu verdonnert frühmorgens zum Wecken und abends zum Zapfenstreich zu blasen.
Leider blieb das für mich ein Traum, denn acht Tage bevor es ins Zeltlager ging, bekam ich von meinem zukünftigen Lehrherrn den Bescheid, dass ich meine Lehrstelle antreten müsste.
Da half alles Bitten und Betteln, den Lehrstellenantritt um vier Wochen zu verschieben, nichts. Meine Mutter war der Meinung, dass ich froh sein solle eine Ausbildungsstelle zu haben und dass der Beruf wichtiger sei als das Zeltlager.
So fuhren die Sängerknaben in ihr erstes Zeltlager und ich zur Arbeit.
Durch meine Arbeit konnte ich natürlich auch keine Probenbesuche mehr wahrnehmen, dann kam noch der Stimmbruch hinzu und so war meine Gesangskarriere vorerst beendet.
Einmal wurde ich noch von Herrn Becker angesprochen für den Knabenchor einen Wimpel für die Singvögel zu entwerfen und zwar mit einer Notenzeile und einem Violinschlüssel. Auf den Notenlinien waren anstelle von Noten Vögel in verschiedenen Tonhöhen gesessen. Dieser Entwurf wurde nie verwendet und ging irgendwann verloren.
Für mich war Herr Becker ein guter Lehrmeister was das Singen anbetraf, bezüglich Disziplin und Gehorsam konnte er aber auch sehr streng sein.
Das Singen hat mich in meinem bisherigen Leben, dank Herrn Becker, sehr geprägt. Er hat mich in späteren Jahren nie beim Namen genannt, sondern nur immer mit „mein erster Sopransolist“ begrüßt.
Nach meinem Wegzug nach Meerbusch habe ich etliche Jahre in einem Düsseldorfer Männerchor gesungen und nach meiner Rückkehr nach Bürgstadt bin ich im Männerchor Rüdenau gelandet, wo ich heute noch singe und als Vorstand tätig bin.
Durch das Singen kam ich bei vielen Konzertreisen in viele Länder und konnte bei etlichen Rundfunk-und Schallplattenaufnahmen sowie bei Fernsehauftritten mitwirken.
„So schön und erlebnisreich kann Singen sein!“ 

Das erste Zeltlager 1954

Im Sommer fanden die alljährlichen Zeltlager in der näheren Umgebung statt. Dabei konnte man eine Menge lernen, zum Beispiel wie man bei nassem Wetter mit einem einzigen Streichholz ein Feuer machen kann und vieles mehr.

Lagerküche

Auch wurde in der Lagerküche das Kochen gelernt. Hier der Bericht eines ehemaligen Singvogels:

„Es gab Gulasch mit Nudeln beim Zeltlager. Zwei Mann hoben den großen Topf vom Feuerrost. Dabei kippte er um, und das Gulasch verteilte sich im und um das Feuer. Lehrer Becker schwoll die Zornesader. Er ordnete an: „Einsammeln!“. Zum Mittagessen gab es: Gulasch mit Nudeln und Waldboden.“

Es wurde natürlich auch viel Unfug getrieben. Werners Bericht zum aktuellen Ereignis:

„Von folgendem Ereignis erfuhr Lehrer Becker nie etwas: Bogenschießen war beim Zeltlager ein beliebter Sport. Als er einmal nicht da war, saßen ein paar von uns am Hang am Bach. Einer (der Name ist dem Verfasser dieser Geschichte  bekannt)  spielte mit Pfeil und Bogen. Er sagte zu jemandem, der heute leider nicht mehr lebt: „Ich schieß jetzt den Pfeil aus kurzer Entfernung an deinem Bein vorbei! Wenn du dich traust, das Bein ruhig zu halten.“ Er schoss. Und der Pfeil steckte im Oberschenkel des anderen. Der schrie furchtbar. Wir entfernten den Pfeil und verbanden den armen Kerl. Dann sagte der Unglücksschütze: „Wehe, du sagst das dem Becker!“ Er verriet nichts. So funktioniert Beichtgeheimnis.“

Ein besonderes Highligt der alljährlichen Zeltlager waren die gefürchteten Überfälle bei denen man seinen Mut beweisen musste. Norbert erzählt:

Überfall auf der Märchenwiese

Ich gehörte damals zu den Jüngsten im Knabenchor und wir durften zum ersten Mal mit auf Zeltlager nach Mönchberg auf die Märchenwiese. Wir Kleinen durften in der etwas oberhalb stehenden Blockhütte schlafen, und Egbert und ich breiteten das Stroh aus und machten daraus ein „komfortables“ Nachtlager, während ein Paar Stufen tiefer die Zelte auf der Wiese rund ums Lagerfeuer aufgebaut wurden. Es gab auch ein kleineres Zelt für die Essensvorräte.
Auch ein Aussichtsturm wurde gebaut, auf dem ganz weit oben unser Wimpel flatterte. Von da oben konnte man auch weiter unten, am Ende der Wiese, ein kleines Bächlein sehen, in dem wir Wasser zum Kochen holen konnten oder uns am frühen Morgen waschen und Zähne putzen mussten. Da fällt mir ein, dass mein Namenskollege Norbert, der später dann Pfarrer wurde, damals den Spitznamen: „Blendi“ erhielt, weil er noch die etwas süßlich schmeckende Kinder-Zahncreme von Blendax benutzte.

Wir hatten in der ersten Woche schon recht viel Interessantes gelernt: zum Beispiel wie man eine Wanderkarte mit dem Kompass einnorden muss, um sie benutzen zu können; oder wie man mit nur einem einzigen Streichholz auch bei nassem Wetter ein Feuer machen kann, wenn es nur irgendwo einen Birkenbaum in der Umgebung gibt, dem man die Haut abziehen kann, die auch in nassem Zustand wie Zunder brennt.

Interessant war auch die Erkenntnis, dass man bei Nacht ohne Taschenlampe besser sehen kann, wenn sich die Augen erst mal daran gewöhnt haben.
Ja, wir hatten schon einige Nachtwanderungen hinter uns und auch die große Mutprobe bestanden, bei der jeder ganz alleine und ohne Taschenlampe eine bestimmte Strecke durch den dunklen Wald gehen musste – immer im Abstand von ca. 5 Minuten zum Vordermann. Um mir Mut zu machen, habe ich leise ein wenig vor mich hingepfiffen und wurde immer schneller, bis ich die weißen Turnschuhe meines Vordermanns sehen konnte.

Einige Tage danach: Wir waren nach der gemütlichen Lagerfeuerrunde mit Tee und schönen Liedern endlich müde in unsere Schlafsäcke gekrabbelt und auch bald darauf fest eingeschlafen.

Plötzlich schüttelte uns jemand aus dem Tiefschlaf: Pssssst! Pssst! Alarm! Pssst!
Aufstehn! Alles raus! Pssst-seid leise!

Fröstelnd krochen wir aus den warmen Schlafsäcken, verließen das Blockhaus und schlichen gebückt den anderen im Gänsemarsch hinterher. Dicht an eine Mauer angelehnt kauerten wir und sollten still warten, bis die Angreifer zu sehen wären. Wir starrten gespannt in die Dunkelheit, vom Lagerfeuer war nur noch eine kleine Glut übrig – sonst sahen wir nichts.
Da!! Kommen da nicht so gebückte dunkle Gestalten vom Bach aus auf uns zu? Jetzt wieder einer!! Alles war mucksmäuschenstill. Nur das Herzklopfen und der eigene Atem waren zu hören.
Was war das?? Irgendetwas juckte mich! Ich begann zu kratzen, aber es wurde immer schlimmer. Irgendetwas kroch mir durch die Hosenbeine, am Hals und die Arme hinauf – AMEISEN!

Ich sprang auf, schlug mir auf die Arme und Beine und rannte zurück um die Biester abzuklopfen!

Gleichzeitig ertönte eine Handsirene und der Überfall begann! Ältere Jungen aus dem Chor: der lange Ludwig, Winfried, Arnulf oder vielleicht waren es auch andere (das weiß ich nicht mehr genau), stürmten vom Bach aus den Hang herauf und begannen mit uns zu raufen.

Besonders hatten sie es jedoch auf Lehrer Becker abgesehen, der sich mutig und tapfer bei der Balgerei beteiligte, bis einer stolz seine Armprothese als Trophäe schwenkte. Während ein anderer versuchte auf den Turm zu klettern, um den Wimpel zu stehlen. Der war jedoch, wie jeden Abend, vorausschauend im Vorratszelt gut versteckt worden.
Ich war noch immer etwas mit meinen Ameisen beschäftigt und beobachtete dabei aus sicherem Abstand das Geschehen.

Der Kampf war jetzt beendet. Das Lagerfeuer wurde neu entfacht und ein Kessel Tee gekocht.

Gemeinsam saßen wir dann alle friedlich vereint noch eine Zeit lang um das Feuer, tranken heißen Tee und nach einem gemeinsamen Lied zogen die Angreifer wieder ab und wir konnten endlich in unser Nest und unseren Schlaf fortsetzen.

Die Radwanderungen in den ersten Jahren hatten ihre Grenzen im Umkreis von 50 bis 100 km.

Radwanderung 1957

Werners authentischer Bericht von einer Radtour:

„Meine erste Radtour  mit Herrn Becker und ein paar „Sängern“ führte uns nach Rothenfels am Main. Lehrer Becker ordnete an: „Wir ziehen bei der Fahrt unsere Lederhosen an!“ Meine Oma ordnete an: „Es iss zu kalt! Keine Lederhose! Sondern die Knickerbocker aus Cord wird angezogen!“ Ich war also der Einzige, der keine Lederhose an hatte. Das hatte Folgen. Wenn wir Rast machten, durften sich außer mir alle hinsetzen. Mir verbot es der Lehrer Becker. Begründung: „Du holst Dir den Wolf, wenn du dich mit einer Stoffhose auf die Steine, den Boden oder sonst irgendwohin setzt. Das dürfen nur die, die eine Lederhose anhaben!“ Alle anderen konnten sich beim Rasten setzen. Einer stand.“

Ab 1967 wurden traditionell Pfingstradwanderungen unter anderem ins benachbarte Ausland durchgeführt. Hier war die Teilnehmerzahl auf maximal 12 Jungs begrenzt. Wer mitfahren durfte war mächtig stolz.

Nicht immer lief das alles so glatt. Christoph berichtet von seinem beeindruckenden Erlebnis in Wien:

„Meine Erinnerungen an die Zeit bei den Singvögeln sind angenehm und begleiten mich bereits das komplette Leben. Aus der Zeit bei den Singvögeln habe ich viel gelernt. Zum Teil auch das Repertoire, aus welchem ich heute ab und an noch für mich selbst singe aber auch vom Zeltlager und den Pfingstfahrten kenne ich noch praktische Tipps. Bei den Pfingstfahrten durfte man mit,  wenn man zwölf Jahre alt war. Ich war bei meiner ersten Fahrt erst elf Jahre alt und musste daher an einem Sonntag mit Herrn Becker und seinem Sohn Ulli Probefahren um zu testen,  ob ich genug Kondition habe.  Es ging von Bürgstadt nach Wertheim und auf der anderen Mainseite wieder zurück. Diese Pfingstfahrt führte uns nach Wien und da ich von der Stadt so begeistert war und überall stehen geblieben bin, habe ich die Gruppe verloren und verlief mich. Die Wiener Polizei hat mich dann an unserer Fahrtenkluft erkannt und mich in der Jugendherberge abgeliefert.

Im Jahr 1989 schreibt Kurt Becker an einen Chorleiter und Komponisten aus Dortmund die folgenden Zeilen:

„Wir sind keine „Wiener“, keine „Regensburger“, keine „Windsbacher“, keine „Tölzer“, keine „Hymnusknaben“, wahrscheinlich auch keine „Dortmunder“ – die Reihe ließe sich noch weiterführen – sondern „Lausbuben aus der Provinz“ mit einem halbwegs „verrückten“ (sprich: idealistisch gesinnten), vielleicht nicht ganz zur Erwachsenheit ausgereiften Oberlausbub, der diese Chorarbeit gegründet und seit 35 Jahren tut…..“